Interview mit Jürgen Dawo; Gründer von Town & Country Haus und konsequenter Anwender der EKS in der Praxis
Jürgen Dawo ist Gründer und Geschäftsführer der Town & Country Franchise International GmbH sowie Mitglied des Bundesverbandes StrategieForum e.V. Beim ersten Regionalabend des StrategieForums Göttingen im Februar 2012 berichtete er in seinem Vortrag “Trotz Krise zum Marktführer” von der Erfolgsgeschichte seines mehrfach ausgezeichneten Unternehmens.

Was macht Sie mit Town & Country so erfolgreich, was können andere von Ihnen lernen?
Wir sind vor allem konsequent. „Strategie“ ist nichts, was gestern anfängt und morgen abgeschlossen ist, der Prozess geht immer weiter. Town & Country arbeitet zum Beispiel mit der Engpasskonzentrierten Strategie (EKS) – die vier Prinzipien und sieben Phasen durchlaufen wir immer wieder. Wer einmal einen Vorsprung erreicht hat, kann nicht einfach stehen bleiben. Unternehmer sollten sich immer fragen: Warum und für wen bin ich da? Wenn ich nicht mehr da wäre, könnte der Kunde dann einfach zur Konkurrenz gehen? Lautet die Antwort Ja, bin ich in der Auswechslungsfalle. Dann bin ich austauschbar, und nichts hält meine Käufer davon ab, schon heute den Anbieter zu wechseln.
Können Unternehmen ohne Strategie überleben?
Strategie ist der Weg zum Ziel, sie macht 80 Prozent des Erfolgs aus. Sich ganz bewusst damit auseinander zu setzen, ist das A und O in der heutigen Geschäftswelt. Das tun aber nur knapp zehn Prozent der Unternehmen. Handyshops sind in Boomzeiten überall aus dem Boden geschossen und auf der Erfolgswelle des Mobiltelefonmarktes mitgeschwommen. Dazu brauchte es keine Strategie. Jetzt sterben sie aber der Reihe nach. Schon Gründer müssen sich darum fragen, mit welchen Kunden sie umgehen wollen, was sie ihnen anbieten und welchen Nutzen diese davon haben. Der Wunsch nach einem Energiesparhaus kann auch nicht erst nach Abschluss des Hausbaus laut werden. Analog dazu kann später schlecht nachjustieren, wer sein Unternehmen falsch geplant hat.
Muss ich dafür jemanden von außen holen?
Wichtig ist, sich mit weiteren Strategieinteressierten auseinander zu setzen, regelmäßig zu diskutieren und Denkprozesse am Leben zu halten. Ein Strategieberater ist gut als Coach. Er gibt im Idealfall Denkwerkzeuge an die Hand und ist eher ein Strategielotse, der Auswege aus verfahrenen Situationen aufzeigt. Als Unternehmer kenne ich selbst mein Geschäft, weiß was davon zu mir passt und was ich umsetzen will. Ein Berater, der mir gegen meinen Willen aufdrängt, wie mein Geschäft garantiert besser funktioniert, kann kein guter Berater sein.
Führt Strategie immer zum Erfolg?
Eine 100-prozentige Garantie gibt es nicht – aber wer sich mit Strategie beschäftigt, hat schon viel gewonnen. Wer auf der anderen Seite zwar eine Strategie konsequent anwendet, aber die Kunden und ihre Grundbedürfnisse aus den Augen verliert, kann auch einen Weltkonzern gegen die Wand fahren. Kodak hat zum Beispiel einmal die besten Farbfilme der Welt hergestellt. Aber sie haben zu spät verstanden, dass nicht die Produkte entscheidend sind, sondern das Bedürfnis der Menschen, Erinnerungen festzuhalten. DUAL, früher Hersteller der in Deutschland am meisten verbreiteten Schallplattenspieler, ging es ähnlich: Sie haben nicht erkannt, dass es ihren Kunden um das Musikhören geht, sonst hätten sie vielleicht den MP3-Player erfunden.
Was raten Sie Unternehmern, die vor dem Begriff „Strategie“ zurück schrecken oder ablehnend reagieren?
Wer vor Strategie Angst hat, hat falsche Vorstellungen, was es damit auf sich hat. Sie seien zu klein und hätten keine eigene Abteilung für Strategie wie ein großer Konzern, höre ich oft. Was viele kleine Unternehmen vergessen, ist, dass auch Global Player klein angefangen haben. Beliebt ist auch die fehlende Zeit: Das, was ich in Strategie investiere, erleichtert mir den Arbeitsalltag aber um ein Vielfaches.
Raten Sie KMU immer zu EKS?
Ich kenne zumindest kein anderes Werkzeug, das so gut für KMU geeignet und so intuitiv ist. Unternehmen können EKS für sich selbst entdecken und anwenden. Einen Berater brauchen sie vielleicht für zwei oder drei Tage – er ist nicht monatelang im Betrieb und krempelt alles von unten bis oben durch. Wer einmal alle vier Prinzipien und sieben Phasen verinnerlicht hat, wird außerdem ganz automatisch immer damit arbeiten und unbewusst alle Entscheidungen durch diese Filter laufen lassen.
Der Artikel ist erschienen in:
www.faktor-magazin.de